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Nicht auszuhalten

Es ist noch einmal kalt geworden im Erzgebirge. Wir sitzen im Warmen und schauen dem Schneetreiben vor dem Fenster zu. Nebenbei entkalkt die Kaffeemaschine, das dauert eine Weile. Inzwischen kommt die Sonne wieder. Aber wir können nicht raus, weil der Entkalkungsvorgang hin und wieder mein Eingreifen erfordert. Dann hagelt es. Vor ein paar Jahren habe ich smarte Heizkörperventile angeschafft, mit denen wir tatsächlich eine kleine Ersparnis bei den Heizkosten erzielen konnten, bis die Gaspreise explodierten. Eigentlich sollte man mit den einmal installierten Thermostaten keine Arbeit mehr haben, aber die Kinder drehen und drücken daran herum, bauen sie ab, so dass man schon laufend damit zu tun hat. Jetzt steht auf dem Ventil im Wohnzimmer "F1" und man kann es nur noch auf- oder zudrehen.

Das ist nicht mehr ganz in unserem Sinne. In Hennigsdorf gab es während meiner Kindheit Wohnungen, in denen sich die Heizungen überhaupt nicht abstellen ließen. Man konnte nur an einem Hebel drehen, mit dem man irgendeine Platte im Heizkörper mehr oder weniger kippte, aber das hatte keinen spürbaren Effekt. Wenn es einem zu heiß wurde, musste man eben die Fenster aufmachen. Tja, Leute, so war das damals. Geheizt wurde im Heizhaus mit Kohlen. Danach, was da alles durch den hohen Schornstein in die Hennigsdorfer Luft geblasen wurde, hat in diesen Zeiten keiner gefragt.

Inzwischen scheint hier wieder die Sonne, die Kaffeemaschine ist fertig entkalkt und ich habe das Thermostatventil ausgewechselt. Wir waren draußen und ich habe das Kind geschaukelt. Außerdem mussten wir mal kurz ins Gartenhaus, um die Antennen am LTE-Router neu auszurichten, damit die WLAN-Kamera wieder ins Internet kann. Wenn es kein Internet, kein WLAN und keinen Mobilfunk gäbe, was hätten wir dann wohl noch zu tun? Wir lebten, wie im Paradies, aller Sorgen ledig und nur mit uns selbst beschäftigt. Wer würde das aushalten?

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