Was Sache ist
Ich weiß nicht, wie lange ich mich hier aufhalten kann, ohne entdeckt zu werden. Darum sollten wir gleich zur Sache kommen. Und was ist Sache? Ich weiß es natürlich nicht und auch sonst weiß es keiner. Ich habe mich den ganzen Tag so sehr darauf konzentriert, einen Ort zu finden, wo ich mal ungestört eine Viertelstunde vor mich hinschreiben kann, dass ich darüber vergessen habe, was ich schreiben wollte. Aber das ist auch egal, denn gerade bin ich entdeckt worden und habe jetzt wieder mein jüngstes Kind zu beaufsichtigen. Er wirft einen Ball in sein Reisebett und ich muss entweder ihn hineinsetzen oder den Ball wieder herausholen. Das kann man aber gewissermaßen automatisieren, indem man das Bett mit dem Reißverschluss aufmacht, so dass das Kind selbständig hinein und heraus kann.
Wie ich eben immer sage: Erziehung ist kein Hexenwerk. Sie ist notwendig, aber man muss es sich nicht schwerer machen, als es ohnehin schon ist. Aber darüber wollte ich jetzt nicht schreiben. Aber worüber dann? Die Mondmission beschäftigt mich natürlich schon. Besonders in den Morgenstunden muss ich daran danken, wenn ich eigentlich dringend aufs Klo muss, aber abwäge, ob ich dabei vielleicht ein Kind zur Unzeit aufwecke und dann lieber liegen bleibe. Wenn sich dann aber herausstellen würde, dass die Toilette gar nicht benutzbar ist und ich so dringend muss - ich weiß nicht, was ich machen würde.
Ich weiß auch nicht, ob es etwas Schlimmeres gibt. Vielleicht, wenn ein Kind in meiner Obhut ernsthaft zu Schaden kommt. Da fällt mir auf, dass sich mein sich selbst betreuendes Kind nicht mehr in Sichtweite befindet. Es hat sich offenbar ohne weitere Rücksprache entfernt und versucht nun auf eigene Faust sein Glück. Aber nein, es gibt Abendbrot. Ich könnte also jetzt endlich zur Sache kommen, wenn ich denn nur einen Schimmer davon hätte, was Sache ist. Aber den habe ich immer noch nicht.